Judo für junge Frauen
09.06.07: 14:30
Von: Wiesbadener Tagblatt: MaK
Ausländerbeirat stößt auf reges Interesse
Zum letzten Treffen vor der Sommerpause hatte am Mittwochabend der Wiesbadener Ausländerbeirat unter Vorsitz von Salih Dogan ins Rathaus eingeladen. Auf reges Interesse stießen die Angebote des Kinderschutzbundes und des Judoclubs Wiesbaden (JCW) sowie die Ergebnisse einer Studie über die Selbstorganisation von Migranten in Wiesbaden.
"Ich bin das erste Mal hier und sehr gespannt", meinte eine junge Frau türkischer Herkunft, die als Gast an der öffentlichen Sitzung teilnahm. Aufmerksam verfolgte sie, was Friederike Fuchs-Krüger vom Kinderschutzbund über ein neues präventives Frühförderprogramm für Kleinkinder berichtete. Das Programm heißt "Opstapje" (Schritt für Schritt), basiert auf wöchentlichen Hausbesuchen, bei denen Kinder und Eltern gleichermaßen etwas lernen können, und wendet sich an Familien oder Alleinerziehende in eher schwierigen Lebenssituationen. Die "Hausbesucherin" sei selbst Mutter und komme aus dem sozialen Umfeld der jeweiligen Teilnehmer. Mit 18 Frauen aus elf Nationen startete im November 2005 der erste Kurs. Er dauert achtzehn Monate und kostet sieben Euro pro Monat. Ab September gibt es eine neue Gruppe in der Wiesbadener Innenstadt (Kontakt über Tel. 0611-51122, E-Mail: dksb.forum@web.de).
"Judo integrativ" ist eine Aktion des JCW in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Olympischen Sportbund, für die Lothar Herborn warb. "Wir suchen Mädchen und junge Frauen aus Migrantenfamilien, die Lust haben, in einer interkulturellen Gruppe bei uns Judo zu trainieren." Nichts bringe Menschen einander näher als Judo im Verein, erklärte Herborn. Mit Energie und Ausdauer hat er bereits eine Judogruppe mit Behinderten auf die Beine gestellt. "Anfangs waren es nur drei Leute, die kamen, jetzt sind es dreiundzwanzig." Eine deutsche und eine türkische Trainerin für das neue Integrationsprojekt gebe es schon ( Telefon 0611 / 84 22 66 oder per E-Mail: Geschaeftsstelle@jcw.de).
Herborns Bitte um Unterstützung verklang nicht ungehört. Ob man den mitgebrachten türkischsprachigen Flyer auch als Poster haben könne, ob es Schnupperkurse gebe und ob der JCW auch in die Vereine der Migranten kommen würde, wollten die Anwesenden wissen. Mehmet Yilmaz, Beiratsmitglied aus Westend, lud die Judoka zum bevorstehenden Sommerfest ein.
Auch mit seinem Projekt "Judo für 50plus" traf Herborn auf offene Ohren, vor allem bei den Männern. Die bilden - nicht unerwartet - eine deutliche Mehrheit in den Wiesbadener Migrantenvereinen, besagt die oben erwähnte Studie der beiden Soziologen Robert Naderi und Holger Schmidt. Sie entstand im Auftrag des Ausländerbeirats in Kooperation mit dem Institut für Soziologie der Universität Mainz und kommt zu positiven Ergebnissen in Sachen Integration. Allerdings empfahlen Schmidt und Naderi den Vereinen mehr Transparenz und Öffentlichkeitsarbeit. "Eigentlich wollen sich die meisten Migrantengruppen öffnen, aber viele wissen nicht, wie sie das anfangen sollen", erklärte Salih Dogan.
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