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Eine Heimat für viele Menschen - Im Judoclub Wiesbaden nimmt der Breitensport auch eine breite Rolle ein

26.10.07: 15:46

Von: Wiesbadener Tagblatt: Marianne Kreikenbom





Die Gruppe "50 plus" gehört zu den Abteilungen des Wiesbadener Judoclubs, die aus dem Vereinsleben nicht mehr wegzudenken sind. Eine Altersgruppe mit Potenzial, meint Lothar Herborn.

Vor kurzem, genauer gesagt am 7. Oktober dieses Jahres, hat der Judoclub Wiesbaden (JCW) sein 85-jähriges Bestehens gefeiert. Neben den Judoclubs in Frankfurt und Berlin gehört er damit zu den drei ältesten deutschlandweit.

 

Heute zählt der Verein mehr als 700 Mitglieder und verfügt über ein vielseitiges Angebot im Breiten- und Leistungssport. Es reicht von Judo, Ju Jutsu und Aikido über Karate, Kendo und Kyudo bis hin zum Volleyball.

 

Auf seinen zahlreichen Wettkampf-Lorbeeren hat sich der Verein nie ausgeruht, und auch im Breitensport immer wieder nach neuen Ideen gesucht. So initiierte JCW-Mitglied Lothar Herborn vor fünf Jahren eine Judo-Gruppe für geistig und körperlich behinderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die heute mehr als zwanzig Teilnehmer zählt. Über die rein sportliche Aktivität weit hinausgehend, werden hier soziale Kontakte, das Bewusstsein der eigenen Leistungsfähigkeit und letztlich gesellschaftliche Integration gefördert.

 

Herborns erste Versuche, Mädchen und junge Frauen aus Migrantenfamilien für den Judosport zu begeistern, stießen dagegen bislang auf wenig Resonanz bei den Adressaten. Eine integrative Gruppe mit Teilnehmerinnen aus unterschiedlichen Kulturen schwebte ihm vor. Auch eine junge deutsch-türkische Trainerin hätte er für das Projekt. Nun liegt es erst einmal auf Eis. Ob Herborn noch Zeit für seine bisherige Arbeit als Trainer beim JCW findet, bleibt fraglich. Er ist inzwischen von der Stadt Wiesbaden zum ehrenamtlichen Beauftragten für Behindertensport ernannt worden und muss seine freien Stunden einteilen.

 

"Judo 50 Plus" heißt ein weiteres von ihm angestoßenes Projekt im Bereich Breitensport. "Wir wünschen uns, dass noch mehr Ältere den Weg zum JCW finden", erklärt er. "Viele Menschen wollen etwas für ihre Gesundheit tun und gehen ins Fitnessstudio, sie geben dort eine Menge Geld aus, aber im Verein macht Sport mehr Spaß, hat mindestens denselben Effekt und ist wesentlich billiger." Bei Angeboten für die Generation 50 Plus sieht Herborn ein Potenzial, das die Vereine nutzen sollten. "Gerade Judo mit seinen sanften Bewegungsabläufen und meditativen Elementen ist als sportliche Betätigung auch für ältere Menschen interessant, er aktiviert, verbessert und erhält körperliche Fähigkeiten wie Gewandtheit, Schnelligkeit, Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer."

 

Herbert Munsch, selbst ein "50 Plus", ist der lebendige Beweis dafür. Flink wie ein Wiesel eilt er in den Kraftsportraum und zeigt an den Geräten, was er kann und was ihm so leicht wohl auch viele Jüngere nicht nachmachen. Seit 1961 ist Munsch beim JCW, hat früher in der Bundesliga gekämpft und arbeitet heute als Trainer im Breitensport. Jeden Freitagabend trainieren unter seiner Leitung zwanzig bis dreißig Frauen und Männer. Einige von ihnen sind knapp 30 Jahre alt, andere um die 40, manche kurz unter oder etwas über 50. Nach oben sei die Altersgrenze offen. Es gebe sogar Judoka, die noch mit 75 Jahren stolz auf der Matte stehen, erzählt jemand aus der Gruppe.

 

"Judo ist ein Sport für Körper und Geist", sagt Munsch. Judo bedeute Methodik und sei ideal für Menschen in der zweiten Lebenshälfte. "Man kann alles lernen, auch wenn man mit 40 oder 50 einsteigt und noch nie etwas mit diesem Sport zu tun hatte." Nein, auch vorm Fallen brauche man keine Angst zu haben. "Fall- und Wurftechniken üben wir mit den Anfängern auf extra weichen Matten zuallererst." Verletzungen gibt es so gut wie nie, höchstens mal einen blauen Fleck, versichert Munsch, während seine Mannschaft auf dem Schwingboden paarweise den Hüftwurf O-Goschi trainiert. Zur Selbstverteidigung sei Judo bekanntlich auch geeignet, merkt Munsch an. Rundum trage dieser Sport zur Stärkung des Selbstbewusstseins bei.

 

Die Gruppe "Judo 50 Plus - Fit für die zweite Lebenshälfte" trainiert freitags von 18.30 bis 20 Uhr in der Sporthalle am Konrad-Adenauer-Ring 55, Otto-Schmelzeisen-Dojo im Tiefparterre. Die Trainingsleitung hat Herbert Munsch. Kontakt unter der Telefonnummer (0611) 842266, oder per E-Mail: Geschäftsstelle@jcw.de





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