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NEWS der JUDO-Abteilung

Der JCW widmet sich den Mädchen

20.05.07: 10:32

Von: Wiesbadener Tagblatt





Sport verbindet, heißt es. Die Richtigkeit dieser Behauptung hat vor knapp einem Jahr hierzulande die Fußball-Weltmeisterschaft bewiesen. Und was im Großen gilt, das ist auch im Kleinen richtig. Sport treiben bedeutet mehr als nur Bewegung. Gemeinsam mit anderen macht es erst richtig Spaß, fördert außerdem Teamgeist und Freundschaften, fairen Umgang miteinander und Toleranz.

 

Die integrative Wirkung des Sports ist unbestritten, und die Leistung hessischer Vereine auf diesem Gebiet auch. Längst haben sie Kinder und Jugendliche aus Zuwandererfamilien als neue Zielgruppe der Mitgliederwerbung entdeckt. Vor allem im Fußball war der Zulauf türkischer, griechischer oder italienischer Jungen kein Problem. "Biebrich 02 Magnet für Ausländerkinder" titelte das Wiesbadener Tagblatt schon 1985.

 

Aber wie steht es mit anderen Sportarten, und wo bleiben die Mädchen? Fragen, die sich Lothar Herborn vom Judoclub Wiesbaden (JCW) schon eine ganze Weile stellt. "Bei uns gibt es verschwindend wenig Kinder und Jugendliche aus Migrantenfamilien", bedauert er und will das ändern. Den letzten Anstoß dazu gab im April eine Meldung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Noch für dieses Jahr kündigte darin DOSB-Vizepräsidentin Ilse Ridder-Melcher eine Kampagne an, die vor allem Mädchen und Frauen mit Migrationshintergrund zum Sporttreiben animieren soll.

 

Das Projekt basiert auf einer Studie der Universität Bielefeld, der zufolge gegenwärtig nur jedes siebte Mädchen aus nichtdeutscher Familie in einem Verein sportlich aktiv ist. Bei den Zehn- und Elfjährigen beispielsweise sind es 21 Prozent im Vergleich zu 58 Prozent bei gleichaltrigen deutschen Mädchen. Sport spielt bei der Freizeitgestaltung von Mädchen aus Migrantenfamilien bislang kaum eine Rolle. Aber fast die Hälfte der Befragten wünscht sich laut Studie mehr sportliche Möglichkeiten.

 

Lothar Herborn und dem JCW geht es um mehr als nur Sportangebote. "Genau wie beim DOSB besteht auch unser Ziel im Aufbau ethnisch gemischter Gruppen unter Einbeziehung deutscher Mädchen", erklärt Lothar Herborn. Integration durch Sport lautet die Devise und war - Zufall oder nicht - auch Thema des Wiesbadener Zukunftsgesprächs am vergangenen Mittwoch im Kulturforum Schillerplatz mit Vertretern des DOSB (siehe Seite 11). Dort stieß das Projekt des JCW auf offene Ohren.

 

Vom Sportamt gebe es für eine gemischte Mädchen-Judogruppe sogar öffentliche Zuschüsse. "Vorausgesetzt, sie existiert oder befindet sich in Gründung." Soweit aber ist es noch lange nicht. Herborns Problem: "Wie kommen wir an unsere Zielgruppe heran?" Gemeint sind Mädchen und junge Frauen unterschiedlicher Nationalität im Alter zwischen dreizehn und neunzehn Jahren. Salih Dogan, Vorsitzender des Wiesbadener Ausländerbeirats, hat seine Unterstützung beim Rühren der Werbetrommel schon zugesagt.

 

Herborn plant verstärkte Öffentlichkeitsarbeit und denkt an Schulen, die Stadtteilbüros in Westend und Biebrich, an mehrsprachige Flyer und Zeitungsberichte - wir machen hier ja schon mal den Anfang. Eine bestens geeignete Trainerin für die Gruppe steht im wörtlichen wie im übertragenen Sinne schon auf der Matte. Sie heißt Hasibe Gümüssu, stammt aus einer türkischen Familie und trat für den JCW bereits mehrfach in der Damen-Bundesliga an.

 

Interessenten für das Judo-Projekt sind also herzlich willkommen und können sich bei Lothar Herborn melden, Telefon: 06127/969741 oder per E-Mail: BHConsulting (at) t-online.de





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