Bundesliga: Angst vor niemandem
12.04.07: 10:15
Von: WIESBADENER KURIER: Volker Eckhardt
Nicht die pure Kraft, sondern Köpfchen, Technik und Geld entscheiden ab Samstag wieder darüber, wer in der Judo-Bundesliga das Sagen hat. Der JC Wiesbaden hat sich viel vorgenommen, eröffnet die Saison mit dem Heimkampf gegen Meister TSV Abensberg.
 Lieblingstechnik: Der Wiesbadener Manuel Müller (blauer Anzug) hat mit dem "Katapult" so manchen Bundesliga-Kampf für sich entschieden.
Der Judo-Club Wiesbaden ist gewappnet und hat sich wieder mal die Playoffs zum Ziel gesetzt. Diese Losung jedenfalls hat Philipp Eckelmann ausgegeben und wird bestätigt durch Patric Nebhuth, der voller Vorfreude feststellt: "Wir sind in diesem Jahr hervorragend aufgestellt und haben die Abgänge aus der vergangenen Saison durch exzellente Kämpfer ersetzt." Beide Trainer können auf ein Team bauen, das aus einem ausgewogenen Mix von viel versprechenden Nachwuchskämpfern und erfolgreichen Routiniers besteht.
Dies alles ändert jedoch nichts daran, dass der Abonnements-Meister TSV Abensberg, der TSV Großhadern, Ippon Rodewisch, JC Ettlingen und KSV Esslingen in einer anderen Kategorie der Bundesliga kämpfen, weil sie ein dickeres Portemonnaie haben. Der einzige Verein, der sich fast ausschließlich auf eigene Kämpfer stützt, ist in der Gruppe Süd der JC Leipzig.
Gegen die Stars aus Abensberg sind die Wiesbadener am Samstag (16 Uhr) in der Sporthalle am Zweiten Ring naturgemäß Außenseiter, was nicht heißt, dass die Judo-Freunde nicht gerade in diesem Duell auf ihre Kosten kommen. Sollten die hoch gesteckten Erwartungen des JCW nicht in Erfüllung gehen, ist es durchaus keine Schande, wenn er mit dem Aufsteiger JC Rüsselsheim um die Vormachtstellung im Hessenland streitet. Einen direkten Absteiger aus der Bundesliga gibt es nicht, vielmehr muss sich der Tabellenletzte mit dem Zweitliga-Meister auseinandersetzen. Und dafür kommen in erster Linie die Offenbacher in Frage. Dorthin zurückgekehrt sind Florian Germroth (-81 kg) und Schwergewicht Markus Kaiser, nachdem ihr Heimatverein in die Zweite Liga aufgestiegen ist. Für den JCW sind beide Abgänge herbe Verluste.
Aber die Wiesbadener waren nicht untätig und haben für Kompensation gesorgt. So steht jetzt der ehemalige Nationalmannschafts-Kämpfer Manuel Müller (-73 kg) auch als Einzelkämpfer ausschließlich dem JCW zur Verfügung, nachdem er zuvor schon für den Club auf der Bundesliga-Matte gestanden hatte. Nach einjähriger Auszeit vertritt Johann Bohlender (-90 kg) die JCW-Farben, der zuvor für Rüsselsheim in der Bundesliga für manche Überraschung gesorgt hatte. Große Hoffnungen ruhen schließlich auch auf Super-Leichtgewicht Nizar Lahouague und den 18 Jahre alten Neuzugang Niklas von Freeden (Osnabrück).
Aus den eigenen Reihen kommen Peter Morgner (-60 kg), Timor Hwa (-73 kg) und Marcel Keil (-81 kg). Auch Coach Philipp Eckelmann (-90 kg) geht wieder selbst auf die Matte. Kämpfer aus den Niederlanden, Spanien und Italien, die dem JCW schon länger verbunden sind, sorgen dafür, dass die Trainer Eckelmann und Nebhuth, der nicht mehr aktiv eingreifen will, mit ihrer Vorhersage: "Wir haben ein hochmotiviertes Team, das zu Spitzenleistungen fähig ist", auf dem richtigen Weg sind. Ob Guillaume Elmont (-81 kg), Ivan Vega (-100 kg) oder Roberto Meloni (-90 kg) bereits am ersten Kampftag zum Einsatz kommen, ist noch offen.
Beim Bundesliga-Auftakt hat der JCW vor dem mehrfachen Europacup-Sieger Abensberg zwar Respekt, aber keine Scheu. "Diese Mannschaft ist eine Ausnahme-Erscheinung, aber wir fürchten uns nicht vor ihr", sagt Patric Nebhuth, der mit seinem JCW weiter auf der Suche nach Sponsoren ist: "Viel getan hat sich gegenüber den vergangenen Jahren nicht, aber wir sind auf einem aufsteigenden Ast." Land ist also in Sicht.
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